Ich will die Welt nicht retten

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Wenn man bei einem Hilfswerk arbeitet, das Projekte in Entwicklungsländern unterstützt kennt man diese Frage zur Genüge: Bringt das überhaupt was? Angesichts von Hunger, Klimawandel, Wirtschaftskrisen und immer wiederkehrenden Naturkatastrophen hören wir immer wieder: Eure Unterstützung ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ändern tut sich sowieso nichts.

Meine Antwort darauf lautet: Ich will die Welt nicht retten! Ich bin weder so überheblich noch so wahnsinnig, dass ich mir das zutraue. Da sind schon ganz Andere gescheitert.

Aber wenn man es genau nimmt habe ich eigentlich etwas viel Größeres vor. Und ich bin damit in guter Gesellschaft. Jeder Mensch, der mit Unterstützung von Initiativen wie der Sternsingeraktion, der Caritas, Nachbar in Not, das Rote Kreuz oder wie immer sie alle heißen, sein Leben zum besseren wendet, hat seiner persönlichen kleinen Welt schon ein viel freundlicheres Gesicht verliehen. Und wenn wir diese Tropfen auf die heißen Steine wie Armut, Ausbeutung, Hunger und Naturkatastrophen zusammenzählen, dann kommt schon ein ordentlicher Regen dabei raus.

Ich weiß schon, das wird zwar nicht DIE Welt retten, aber Millionen von kleinen Welten! Und darauf kommt es doch eigentlich an.

#stern17 – christian.herret@dka.at

 

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Ich will die Welt nicht retten

Wie habt ihr eure Angst verloren?

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Die Frage der Angst taucht immer wieder auf, wenn es um Geschlechtergerechtigkeit geht. Wie habt ihr eure Angst verloren, frage ich die Frau, die mit starken Gesten ihre Geschichte des Kampfs gegen die Ausgrenzung durch die Kastenhindus erzählt. Der einzige Zugang zur Hauptstraße soll der Dalitgemeinschaft („Unberührbare“, Kastenlose) von Hajipur genommen werden. Sie leben seit Jahrzehnten hier und ihre Wegerecht existiert seit ehedem. Die Kastenhindus versuchen, wie schon sehr oft erfolgreich umgesetzt, die Gruppe komplett auszugrenzen und ihnen den Durchgang durch ihre neue Ansiedlung zu verwehren. Die Frauen wissen sie haben Rechte. Um diese einzufordern scheuen sie auch nicht vor dem Gang zur Polizei zurück. Diese droht, ist die Polizei doch gewohnt Geld für ihre Dienste von den Angehörigen höherer Kasten zu erhalten. Sie fungieren als Wächter des alten Systems auch wenn sie dabei selbst Gesetze brechen. Bisher war es immer leicht Abhängigkeit Verhaftungen oder Schläge anzudrohen. Weibliche Polizisten werden kommen und sie schlagen. Die Frau strahlt: Wir weichen nicht. Sterben wir, dann wissen unsere Kinder, dass wir für ihre Zukunft gestorben sind.“ Woher kommt diese Furchtlosigkeit? Wir halten zusammen und haben erfahren, dass wir etwas verändern können. Früher haben uns unsere Ehemänner geschlagen, wenn wir zu den Frauentreffen gegangen sind. Sie haben aufgehört, wir sind unabhängig, denn wir haben gelernt uns und unsere Kinder zu versorgen. Die Fesseln der Abhängigkeit zu verlieren, die gegenseitige Aufmunterung und nichts zu haben was man verlieren könnte befreit. Ich sehe starke, entschiedene Frauen. So ganz andere Frauen als die, die in den westlichen Medien präsentiert werde: Indische Frauen als hilflose Opfer der patriarchalen Ordnung Indiens. Hier schauen sie mich mutig, lachend und siegessicher an. Frauen, die keine Privatsphäre haben, keinen Besitz und Tod und Elend kennen. Wie weit sind diese Frauen und wo stehe ich? Im Jetzt, im Hier und ohne Angst meistern sie die enormen Herausforderungen des täglichen Überlebens. Ich bin auf Projektreise in Indien und habe das Privileg von ihnen zu lernen.

Ein Brief aus dem Schwellenland von eva.wallensteiner@dka.at, Projektreferentin Indien

Wie habt ihr eure Angst verloren?