Nach Absturz der Auslandshilfe braucht es Kurskorrektur

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Als Christ/innen können wir die Ungerechtigkeit auf der Welt nicht ignorieren, wo – wie Papst Franziskus es sagt „einige feiern, fröhlich verbrauchen und ihr Leben auf die Neuheiten des Konsums reduzieren, während andere nur von außen zuschauen können“.

Seit Jahren verspricht die österreichische Politik eine Erhöhung der Entwicklungszusammenarbeit. Der drastische Rückgang der Ausgaben 2017 fordert eine rasche Kurskorrektur: Wir müssen unser „gemeinsames Haus Menschheit“ sanieren anstatt zuzusehen wie Teile davon im Elend versinken.

Hat Papst Franziskus sein neues Schreiben „Gaudete et Exsultate“ direkt an die österreichische Bundesregierung adressiert? Er ruft darin zu größerer Aufmerksamkeit für bedürftige Menschen und eine sozial gerechte Welt auf. Christlich sein heißt demnach, „Jesus in den Armen und Elenden zu erkennen“. Es scheint Bundeskanzler Kurz und seine neue Volkspartei, entfernen sich immer mehr von ihren christlich-sozialen Wurzeln.“ kritisiert Jakob Wieser, Geschäftsführer der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, den Rückgang der Mittel und appelliert an die Bundesregierung: „Wenn es um globale Verantwortung geht, kann Österreich mehr. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Die Wirtschaft floriert, es geht uns gut.  Erst vor wenigen Tagen haben wir einen neuen Spendenrekord bei der Sternsingeraktion feiern dürfen. Dies zeigt: Solidarität und Nächstenliebe sind Werte, die in Österreich hochgehalten werden. Die Bundesregierung darf nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern muss sich an der Spendenfreude der Österreicher/innen orientieren und jetzt die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit substanziell und nachhaltig erhöhen! Alles andere wäre gerade angesichts der globalen Krisen kontraproduktiv, denn: Wir wohnen als Menschheit alle in einem gemeinsamen Haus. Wir müssen alles daran setzen dieses gemeinsam zu sanieren anstatt zuzusehen wie Teile davon im Elend versinken. Wenn wir nicht mit aller Kraft dagegen steuern und die Lebensbedingungen der Menschen in den Armutsregionen des Globalen Südens verbessern, verstärken wir globale Probleme, wie zum Beispiel große Fluchtbewegungen, längerfristig. Als Christ/innen können wir die Ungerechtigkeit auf der Welt nicht ignorieren, wo – wie Papst Franziskus es sagt „einige feiern, fröhlich verbrauchen und ihr Leben auf die Neuheiten des Konsums reduzieren, während andere nur von außen zuschauen können“.

Die OECD hat am 9. April die neusten Zahlen zu den internationalen Bemühungen in der Entwicklungszusammenarbeit veröffentlicht. Während andere OECD Länder – wie Schweden (1,1%) – ihre Bemühungen verstärken und das international vereinbarte Ziel von 0,7 Prozent sogar übertreffen, weist die OECD  Österreich für 2017 einen Wert von 0,3 Prozent des Bruttonationaleinkommens im Rahmen der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit aus. Das ist ein drastischer Rückgang von über einem Viertel gegenüber dem Wert von 2016 (0,42 Prozent). Auch wenn dieser vor allem auf gesunkene Ausgaben für Flüchtlingsbetreuung im Inland zurückzuführen ist, entfernt sich Österreich immer weiter von den langjährigen Zusagen der Republik, 0,7 Prozent des BIP für die Entwicklungszusammenarbeit aufwenden zu wollen. Als Außenminister hat Sebastian Kurz das 0,7-Ziel immer wieder in Aussicht gestellt, und auch im Regierungsprogramm ist ein „Bekenntnis zu einer stärkeren Hilfe vor Ort sowie zum langfristigen Ziel, die EZA auf 0,7% des BIP zu erhöhen“ vermerkt. Im neuen Budgetentwurf für 2018/2019 sind aber – entgegen all dieser Versprechungen weitere Kürzungen vorgesehen.

Auf der Facebookseite der Dreikönigsaktion könnt ihr unseren Appell an das österreichische Parlament unterstützen, die Auslandshilfe nicht weiter zu kürzen.

 

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Nach Absturz der Auslandshilfe braucht es Kurskorrektur

Viele Schritte nach vorn – ein Rückblick auf 2017

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489 Projekte konnten 2017 mit den Sternsinger-Spenden finanziert werden. 489 starke Zeichen für eine gerechte Welt.

 

Wir stellen die Kinder in die Mitte – lautet das Jungschar-Motto. Wie wahr: Unsere Mitte sind die 85.000 Sternsinger/innen und Sternsinger. Sie bilden das Fundament des Hilfswerks Dreikönigsaktion. Aber auch rund um unsere Sternsinger-Stars gibt es viel Arbeit hinter den Kulissen der königlichen Bühne damit beim Hilfswerk alles rund läuft.

Projektarbeit: Nobelpreiswürdig

Unsere Partner/innen vor Ort arbeiten oft unter schwierigsten Bedingungen. In vielen Ländern zerstören Naturkatastrophen mühsam Erreichtes, in anderen erschweren totalitäre Regime die Arbeit von Menschenrechtsaktivist/innen. Umso schöner ist es, wenn unsere Partner/innen für ihr Engagement Würdigung erfahren, wie z.B. Colin Gonsalves aus Indien. Der langjähirge Menschenrechtsanwalt und Projektpartner der Dreikönigsaktion wurde 2017 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Gonsalves, der „Anwalt der Schwachen“ gründete in den 1980er-Jahren das „Human Rights Law Network“. Innerhalb von 30 Jahren wuchs HRLN zur größten Organisation ihrer Art in Indien mit 21 Büros. Die 110 Anwälte der Organisation vertreten diejenigen, die sich keinen Rechtsbeistand leisten können. Meist sind das Frauen und Kinder. Wir sind stolz darauf, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen.

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Colin Gonsalves, der „Anwalt der Schwachen“ – Direktor einer von 385 Partnerorganisationen

Zum Schutz der Kinder

Kindern und Jugendlichen ein sicheres Umfeld zu ermöglichen, in dem ihre Rechte gewahrt werden, ist eine unserer zentralsten Aufgaben. Wie wir kindersichere Strukturen in unserer eigenen Organisation wie auch bei Partnern fördern und aus der Erfahrung unserer Partnerorganisationen lernen können, war Thema eines Workshops in Manila mit 9 Vertreter/innen von Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion aus verschiedenen Ländern, die im Bereich Kinderrechtsschutz tätig sind.

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“Menschen aus drei Kontinenten haben hier in Manila intensiv zu Kinderschutzrichtlinien gearbeitet. Gemeinsam können wir für die Kinder dieser Welt viel erreichen.“ Sr Subeshna Tapna – Für eine kinderabeitsfreie Gesellschaft: STOP CHILD LABOUR – LET THEM FREE, LET THEM FLY – das Motto der BSA-Childrights Organisation

Ausbeutung im Smartphone

Hinter den glänzenden Bildschirmen unserer Smartphones verstecken sich leider oft gravierende Menschenrechtsverletzungen und ökologischer Raubbau. Eine Recherchereise unseres Kollegen Herbert Wasserbauer zu Zinnminen in Bolivien brachte Erschreckendes zu Tage: Das Trinkwasser ist massiv mit Schwermetallen belastet. Die hohe Anzahl von Missbildungen bei neugeborenen Lamas und Kälbern spricht eine deutliche Sprache. Kaum eines der über 300 Bergbauunternehmen in der Region hält sich an die Umweltbestimmungen. Hinsichtlich unseres Umgangs mit den Rohstoffen der Digitalisierung braucht es dringend Veränderungen. Erklärtes Ziel muss es sein, den Bedarf mineralischer Rohstoffe etwa für IT- und Hochtechnologieprodukte durch deren Herstellung, Nutzung und Entsorgung zu verringern sowie gleichzeitig positive Ansätze eines nachhaltigeren Umgangs mit diesen Materialien politisch und gesellschaftlich voranzutreiben. Wie das geht, und was jede/r selbst zu einer Veränderung beitragen kann wurde in einem umfassenden Papier dargelegt.

 

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Das Trinkwasser ist massiv mit Schwermetallen belastet. Lamas und Kälbern kommen missgebildet zur Welt.

Alles neu im www

Um es charmant zu umschreiben: Unsere Website war in die Jahre gekommen. Vor allem wenn man sie mit den allgegenwärtigen Smartphones ansurfen wollte. Unsere Sternsinger/innen und unsere Spender/innen wollen und sollen aber up-to-date sein, wenn es darum geht darüber informiert zu werden wofür die Dreikönigsaktion steht und wie die Spenden Menschen helfen. Im Sommer 2017 hat der große Relaunch unserer Website begonnen – und rechtzeitig vor der Sternsingeraktion sind wir fertig geworden. Die Rückmeldungen sind positiv. Am häufigsten wurde die Seite mit dem „Sternsingerrap“ aufgerufen. Am besten machst du dir aber selbst ein Bild.  www.dka.at

„Listen to the Kings“ – der Sternsingerrap

Warum rappen die Heiligen Drei? Wer 2000 Jahre in aller Munde bleiben will, muss mit der Zeit gehen und sich immer wieder neu erfinden. MC Balthazar, Rhymemaster Caspar & Kingkool Melchior können davon ein Lied singen – vielmehr rappen.

„Listen to the Kings“ – In Zeiten wie diesen ist die Weihnachtsbotschaft vom Frieden, sind die Segenswünsche der Heiligen Drei aktueller und gefragter denn je. Und wer so eine Botschaft hat, muss auch alles dafür tun, dass sie gehört wird und bei den Leuten ankommt. Noch nicht gehört? Na dann wirds Zeit: www.sternsingerrap.at

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Durch uns wurde sogar Bischof Georg aus dem deutschen Bistum Limburg zum Rapper.

Begegnen bildet

„Wie schafft man es sich von der Traveller-Meute abzugrenzen, weg von den Touri-Pfaden, hin zu Kontakt mit „richtigen Locals“ um das Wunschland mit allen Facetten erleben zu dürfen?“ Sonja Macher hat für sich diese Antwort gefunden. Sie war eine von 21 Teilnehmer/innen am LernEinsatz und hat ihre Eindrücke von der Reise auch auf einem Blog festgehalten.

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Wenn Eine eine Reise ins Herzen Brasiliens unternimmt: Lest selbst wie es Sonja Macher ergangen ist.

2.100 Tage freiwillig im Einsatz
In Indien, auf den Philippinen, in Kenia, Südafrika und in Kolumbien waren 18 Frauen
und ein Mann auf SolidarEinsatz. 2.100 Tage arbeiteten sie bei Partnerorganisationen
mit und lernten so deren Herausforderungen und ihre Lösungsansätze
vor Ort kennen.

Datendschungel

Das vergangene Jahr stellte unser Organisationreferat vor besondere Herausforderungen. Ab dem 1. Jänner 2017 wird eine Sternsinger-Spende bei der Arbeitnehmerveranlagung bzw. Einkommenssteuererklärung automatisch berücksichtigt. Als Spendenorganisation sind wir beauftragt, der Finanzverwaltung die relevanten Daten weiterzugeben. Für uns bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand. Damit das Finanzamt die Spende eindeutig zuordnen kann, benötigen wir jetzt den vollen Namen und das Geburtsdatum – das muss dann auch noch mit dem Melderegister übereinstimmen. Nur so kann die Spende steuerlich berücksichtigt werden. Damit unsere Spender/innen in den Genuss der steuerlichen Begünstigung kommen haben unsere Kolleg/innen rund 40.000 Daten aktualisiert.

Christian.herret@dka.at

 

Viele Schritte nach vorn – ein Rückblick auf 2017

Der gestohlene Fluss

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Wasser ist nicht verhandelbar! Wasser gehört der Allgemeinheit und nicht Einzelnen!

„Er war immer da, nie war er weg, er hat uns, unsere Eltern und Großeltern großzügig versorgt. Er ist unser Leben!“ Die Bauern sprechen nicht von einem wohlmeinenden Menschen, der für Gesundheit, gesicherte Lebensgrundlagen und gutes Leben sorgt. Sie sprechen über den Rio Utinga, IHREN Fluss. Nie hat er sie verlassen, aber seit flussaufwärts Firmen in Monokultur Bananen anpflanzen und diese mit großen Motoren bewässern, ist es erstmals geschehen. Der Rio Utinga ist ausgetrocknet. Nach langen und harten Kämpfen um Land, es wurde den Kleinbauernfamilien letztendlich zugesprochen, beginnt jetzt ein neuer Kampf. Es geht ums Wasser und damit wieder ums Überleben im semiariden Gebiet des Bundesstaates Bahia, im Nordosten Brasiliens.

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Es geht ums Wasser und damit wieder ums Überleben im semiariden Gebiet des Bundesstaates Bahia, im Nordosten Brasiliens.

Wasser ist aber zusehends auch in den Metropolen des Riesenlandes rar geworden. 2015 litten Rio de Janeiro und São Paulo unter Wasserknappheit. Die Trinkwasserspeicher der beiden Megacities waren so gut wie leer. Schuld an der Wasserkrise ist nicht der/die einzelne Bürger/in, der weitaus größere Verschwender ist die industrialisierte Landwirtschaft. Sie allein verschlingt 70% des Trinkwassers. Sie produziert großflächig Soja, Mais und betreibt Viehzucht. Die Bananenplantagen Bahias tragen ihren Teil zum Wassermangel bei, sie graben den Menschen buchstäblich das Wasser ab.

Ums Wasser ging es auch vergangene Woche. Vom 17. bis zum 22. März fand in der Hauptstadt Brasília das Fórum Alternativo Mundial da Água, das alternative Weltwasserforum FAMA statt. Ein Forum, bei dem NGO´s und sozial engagierte Organisationen für einen transparenten und gerechten Umgang mit den Wasservorräten Brasiliens und der Wasserversorgung einstehen.

Parallel zum FAMA Alternativwasserforum diskutierten Regierungs- und Firmenvertreter/innen auf offiziellem Parkett mit dem Ziel Zugang und Vermarktung von Wasser für Unternehmen zu erleichtern. Nestlé, Coca-Cola, Ambev, Suez Vivendo,.. sind an einer Privatisierung der staatlichen Wasser- und Abwasserversorgung interessiert. Damit dies möglich wird, muss Brasilien seine gesetzlichen Bestimmungen aufweichen und abändern. Die Regierung Temer hat das schon auf ihre Tagesordnung gesetzt.

Aber auch Widerstand gegen die Vermarktung und den Ausverkauf der Wasserressourcen formiert sich. Noch während der Diskussionen am offiziellen und am alternativen Wasserforum besetzen 600 Aktivistinnen der Landlosenbewegung MST den Hauptsitz der Nestlé Niederlassung in Brasilien. Seit 1994 sitzt Nestlé in São Lourenço und vermarktet das für seine heilende Wirkung bekannte Mineralwasser. Seit 1997 protestiert die lokale Bevölkerung gegen die Ausbeutung des Mineralwassers, die Strömung hat sich reduziert und der Geschmack des Wassers hat sich geändert, weil die Mineralsalze verloren gehen. Auch die Kleinbauernfamilien aus Bahia setzen konkrete Maßnahmen. Sie forsten die Flussufer auf, fordern eine ökologische Rehabilitierung ihres Flusses und den Stopp der exzessiven Wassernutzung durch die Bananeproduktion für den Export.

„Das Wasser gehört der Allgemeinheit und nicht Einzelnen! Es ist eine Zeit der Hoffnung, aber auch eine die unser Engagement erfordert“, sind sich die Vertreter/innen der über 450 teilnehmenden Organisationen aus der ganzen Welt sicher. Sie kritisieren die Ausbeutung der Wasserressourcen für Gewinnzwecke und schlagen konkrete Alternativen vor. Das universelle Recht auf Trinkwasser wurde von der UNO 2010 abgesegnet und auf dieses Recht pochen sie.

Angela Kemper, Projektreferentin der Dreikönigsaktion, und Dito Ballio Prado (Caritas NE3, Abraço Bahia)

Der gestohlene Fluss

Zurück in Nicaragua

 

Im November 2017 tourten Mitarbeiter/innen aus den Sternsinger-Beispielprojekten FUNARTE und CECIM durch Österreich um zu erzählen wie mit den Sternsinger-Spenden in ihrer Heimat Nicaragua geholfen wird. Im Februar durfte ich sie im Rahmen meiner Projektreise wiedersehen.

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Ein Update zur Situation in Nicaragua von Clemens Koblbauer  (Foto: Furxer)

Imer NiImer, Maybeling, Rafael, Maria, Aracely, Anielka und Carlos sind seit Anfang Dezember letzten Jahres wieder zurück in Nicaragua. In der Zwischenzeit ist bei uns und bei ihnen viel passiert.

In Österreich waren wieder zahlreiche Kinder in den Pfarren singend unterwegs, um Spendengelder zu sammeln. Was hat unsere Gäste in ihrer Heimat erwartet? Natürlich haben sich alle auf ihre Familien, Freunde, das gewohnte Umfeld und das Lieblingsessen gefreut. Außerdem hatten sie viele Erfahrungen im Gepäck, die es natürlich zu teilen galt. Besonders beeindruckt hat sie das große Interesse und die Begeisterung der Sternsinger/innen und der vielen Menschen aus den Pfarren, die sie treffen durften, Neues aus Nicaragua von ihnen zu erfahren. Durch die vielen Begegnungen in Österreich spürten sie auch die tragende Kraft gelebter Solidarität und zeigten ihnen, wieviel Engagement und Ehrenamt nötig ist, damit wertvolle Arbeit wie in den Modellprojekten von CECIM und FUNARTE und von vielen anderen Organisationen unterstützt werden kann.

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Imer’s Frisörladen war während seines Besuchs in Österreich ausgeraubt worden.

Zu Hause ankommen war aber nicht nur mit Freude verbunden. Imer’s kleiner Frisörladen war in seiner Abwesenheit ausgeraubt worden. Mittlerweile konnte der Verlust durch direkte Spenden von Menschen, die bei seinem Besuch in Österreich zu Freunden geworden sind, ersetzt werden. Das Wetter spielt leider auch immer mehr verrückt – Regen im Februar. Das gab es bisher nicht. Der Klimawandel ist im Alltag spürbar. Regen oder Trockenheit sind nicht mehr vorhersehbar. Für viele Bauern und Bäuer/innen wird die Aussaat zur Lotterie und damit zur Überlebensfrage.

Auch sind in den letzten Monaten viele Menschen in Nicaragua Opfer von Verbrechen geworden. Die Gewalt an Frauen und Kinder beschäftigen die Gesellschaft und auch besonders unsere Partnerorganisation FUNARTE. In ihrem Umfeld kommt es immer häufiger zu grausamen Gewaltverbrechen. Eine Mutter von zwei Kindern, die bei den Workshops von FUNARTE teilnehmen, ist vom Vater der Kinder ermordet worden. Sie haben mir auch berichtet, dass zwei Kinder aus ländlichen Gemeinden des Departements Estelí entführt und ermordet wurden. Die Zivilgesellschaft in Nicaragua hält Mahnwache gegen die hohe Gewalt an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft und fordert endlich ein Ende der Straflosigkeit. Trägt doch das Versagen der verantwortlichen Behörden, wie Polizei und Gerichte, maßgeblich zur Eskalation bei.

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Eine solide Ausbildung schafft Chancen für die persönliche und berufliche Entwicklung.

Die aktuellen Beispiele zeigen mehr denn je, wie wichtig die Arbeit unserer Partnerorganisationen für die Menschen vor Ort ist. Bei den Projekten mit Jugendlichen steht die Bildungsarbeit im Fokus. Sie gibt den Kids viele neue Möglichkeiten für ihre persönliche und berufliche Entwicklung. Die Stärkung der Persönlichkeit leistet einen wertvollen Beitrag zu einer Gewaltprävention auf individueller und letztlich auf gesellschaftlicher Ebene. Die großen Umweltprobleme, wie Entwaldung, Wassermangel, Artensterben und Klimawandel sind ebenfalls Ausdruck unseres gewaltvollen Handelns gegen natürlichen Ressourcen – nicht nur in Nicaragua, sondern auch bei uns in Österreich und auf der ganzen Welt. Sternsingen ist ein erster Schritt, dass wir gemeinsam eine bessere Welt für alle schaffen können. Wir müssen aber noch weitere gemeinsam Schritte machen und dafür brauchen wir euch alle.

clemens.koblbauer@dka.at, Projektreferent für Nicaragua

Zurück in Nicaragua

Listen to the Kings

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www.sternsingerrap.at – Play it loud!

Weihrauch, Gold, Myrrhe … und ein fetter Sound.

Sternsinger/innen aus ganz Österreich performen ein Sternsingerlied der anderen Art: Die Heiligen Drei Könige rappen die Weihnachtsbotschaft der Geburt Christi und erzählen zum coolen Beat warum 85.000 Kinder jedes Jahr als Sternsinger/innen unterwegs sind, um mit den gesammelten Spenden die Welt ein wenig gerechter zu machen.

www.sternsingerrap.at

Wer 2000 Jahre in aller Munde bleiben will, muss mit der Zeit gehen und sich immer wieder neu erfinden. MC Balthazar, Rhymemaster Caspar & Kingkool Melchior können davon ein Lied singen – vielmehr rappen.

In einem Eselstall sah ich JC von Nazareth Kein Bett aus Edelstahl, nur etwas trocken‘ Gras als Bett. Wir waren wie benommen – die neue Ära hat begonnen.*

So fängt die Geschichte, die uns Christ/innen seit 2000 in den Bann zieht, an: Ein kleines wehrloses Kind kommt– weil in der Herberge kein Platz war – in einem Stall zur Welt. Warum erzählen wir seit 2000 Jahren dieselbe Geschichte? Noch dazu eine, die sich seitdem millionenfach wiederholt hat und – leider immer noch – täglich wiederholt. Darum lohnt es jährlich, sich die Heiligen Drei Könige in Erinnerung zu rufen. Die Magier, oder Sterndeuter aus dem Osten besuchen das Kind und bringen ihm Geschenke. Sie geben keine Almosen, sondern ihre Gaben – Weihrauch, Gold und Myhrre – sind Geschenke für ein Königskind, Geschenke, die einem auf die Welt gekommenen Sohn Gottes zustehen.

Drum hört jetzt die frohe Kunde aus meinem Munde
Das ist uns’re Stunde, es geht in die nächste Runde*

Und die Weihnachtsbotschaft geht noch einen Schritt weiter: So wie das Kind in der Krippe Gottes Sohn ist, so sind alle Kinder – auch die ohne Rechte, ausgestoßen und in Armut auf die Welt kommen Gottes Töchter und Söhne. Und hier schlägt die Stunde der Nachfolger/innen der „Heiligen Drei“: Für all diese Kinder (und Jugendliche und Erwachsene) sind unsere Sternsinger/innen unterwegs. Und – wie ihre Vorbilder – verteilen auch sie mit den von ihnen gesammelten Spenden keine Almosen, sondern geben den Menschen, denen in Sternsingerprojekten damit geholfen wird, was ihnen zusteht – damit sie ihr Leben in Würde leben können.

Ich sing meine Lieder und du gibst mir Geld
Mit schmerzenden Gliedern retten wir die Welt!*

Die Sternsingerkids retten die Welt? Ist das nicht ein wenig zu dick aufgetragen? Mitnichten, denn: Nehmen wir zum Beispiel Anielka. Sie lebt in Ciudad Sandino, einer Stadt im Süden Nicaraguas. Für eine berufliche Ausbildung hat ihr immer das Geld gefehlt. Bei einer Partnerorganisation der Dreikönigsaktion macht sie jetzt eine Ausbildung zur Kassiererin und hat einen fixen Arbeitsplatz in Aussicht. Die Sternsingerspenden haben ihre Welt verändert. Und jetzt geht es weiter: Wer ein fixes Einkommen hat, muss nicht mehr um das tägliche Überleben kämpfen. In unseren Projekten zeigt sich, dass Menschen, die eine Ausbildung und Arbeit haben, sich vermehrt auch um jene kümmern, denen es nicht so gut geht. Die Menschen geben die Unterstützung, die sie bekommen haben, weiter. Sternsingen löst einen Schneeballeffekt aus und verändert so Millionen von Lebenswelten jener, denen die „Hilfe unter gutem Stern“ – direkt oder indirekt – zugutekommt.

Mit eurem Beitrag könnt ihr den Reichtum verteilen*

Wird das reichen, um Unrecht und Armut Geschichte werden zu lassen? Offen gesagt: Nein. Dazu wird es mehr brauchen. Eine lebenswerte Zukunft für alle kann es nur geben, wenn auch wir uns verändern. Wir müssen unseren Lebensstil hinterfragen, anpassen und müssen erkennen, dass wir als Menschheit eine große Familie sind, die füreinander und für die Schöpfung verantwortlich ist. Für eine Welt, in der Kinder ohne Angst vor dem Morgen aufwachsen können wird es unumgänglich sein, „unseren Reichtum zu verteilen“. Da werden wir alleine mit Spenden nicht auskommen. Es braucht neben einem gerechten Wirtschaftssystem auch Steuergerechtigkeit – Stichwort „Paradise Papers“. Da können wir Erwachsene unseren König/innen zur Seite stehen und lautstark für politische Veränderungen eintreten. Das wird noch ein harter Kampf werden.

Manchmal ist es easy und manchmal richtig hart Doch wir bleiben dabei, wir ziehn von Tür zu Tür Verbessern wir die Welt, kommt alle mit mit mir!*

Gusto auf www.sternsingerrap.at bekommen?

Horch hinein, werde zum DJ und bring den Song den Sternsinger/innen in deiner Pfarre näher, like und teile den Song auf Facebook, Instagram, Google+, Twitter, Youtube usw. – denn ob in altem oder neuem Gewand: die frohe Botschaft ist aktueller denn je!

christian.herret@dka.at

Listen to the Kings

Brasilien – der große Sprung zurück

 

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Angela Kemper, Brasilienreferentin der Dreikönigsaktion, berichtet aus Brasilien.

Es ist 22.45 Uhr und ich komme am Flughafen Recife in Nordostbrasilien an. Mein Koffer ist nicht mit mir gereist, und schneller als mir lieb ist, bin ich mitten in der brasilianischen Bürokratie.

 

Nach dem Anstellen beim Reklamationsschalter und der Aufnahme des Protokolls gleich noch eine Kontrolle des Handgepäcks und ich bin froh, dass der Taxifahrer, den unser Projektpartner geschickt hat, die zweieinhalb Stunden gewartet hat. Ein tropischer Regenguss begleitet unsere Fahrt in die Unterkunft und schlägt wie im Rhythmus zu den Geschichten, die der Taxifahrer parat hat. Schrecklich sei es hier, es herrsche eine Art Ausnahmezustand, die Bürgerrechte werden eingeschränkt, die Pensionen gekürzt, Gesundheits- und Bildungspolitik werden zu Tode gespart, Korruption ist überall, Gewalt in den Städten und am Land sind mittlerweile Alltag. Der Mix aus Jetlag, Müdigkeit, Starkregen und den Schauergeschichten klingt noch nach, bis ich endlich im Bett liege.

Nach einer kurzen Nacht geht die Arbeit los. Auf dem Weg zum ersten Projektbesuch möchte mir ein etwa neunjähriger Bub auf der Straße Wasser verkaufen. Ich frage ihn warum er denn nicht in der Schule sei und die Antwort kommt prompt: „Die Schule ist geschlossen, wir haben kein Wasser dort!“ Alltag im Schwellenland Brasilien. Ich erinnere mich an die besetzten Schulen vor circa einem Jahr vor der Eröffnung der Olympischen Spiele. Die Schüler/innen in Rio de Janeiro kritisierten, dass es Geld für die Olympischen Spiele gebe, aber das Geld für Infrastruktur und Bildung fehle. In ganz Brasilien waren mehr als 1000 Schulen sowie einige Unis von Schüler/innen und Student/innen besetzt. Der Protest richtete sich gegen das marode Bildungssystem und konkret gegen das erste große Projekt der Regierung von Präsident Michel Temer, einen Verfassungszusatz, der eine Haushaltsausgabenbremse für die kommenden 20! Jahre festschreibt. Die Staatsausgaben dürfen demnach nur noch im Tempo der Inflation steigen. Damit will Temer die kriselnde Wirtschaft beleben, indem er, wie es bei solchen Plänen gerne heißt, „das Vertrauen der Märkte“ zurückgewinnt.

Das Schulthema begleitet mich noch weiter. In Juazeiro, 700 km landeinwärts, unterstützt die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar IRPAA (www.irpaa.org), das Regionale Institut für angepasste Kleinbäuerliche Landwirtschaft und Tierhaltung, eine gemeinnützige Organisation im Zentrum der semi-ariden Region Brasiliens, die mit fast 900.000 km² so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen ist. Seit über 20 Jahren arbeitet IRPAA mit den Kleinbauern und –bäuerinnen, um neue klimagerechte Wirtschafts- und Lebensformen zu vermitteln. Um in dem Trockengebiet mit seinen immer wiederkehrenden Dürreperioden und dem permanenten Wassermangel überleben zu können, braucht es ausreichend Grund und Boden und eine genaue Kenntnis über angepasste Lebensweisen und landwirtschaftliche Produktionstechniken.

Schon in die Schulen soll dieses Wissen einfließen und in die Lehrpläne integriert werden, damit die Kinder ihre Gegend kennen lernen und erfahren, wie das Leben hier im Einklang mit der Natur gestaltet werden kann. In der Region hat es schon sechs Jahre lang kaum geregnet, von den 1.100 Gemeinden der Region haben 700 bereits aufgrund der Dürre den Ausnahmezustand angemeldet. Diese Dürreperiode summiert sich mit der „politischen Dürre“, und in Summe bedeutet dies für die Kleinbäuer/innenfamilien, dass sie um ihr Überleben zittern müssen. Durch den fehlenden Regen fällt die Ernte aus. Staatliche Sozialprogramme wurden gekürzt, und durch die bevorstehende Pensionsreform können sie nicht mehr wie bisher mit 55 (Frauen) und 60 Jahren (Männer) als Landarbeiter/innen in Pension gehen und einen Mindestlohn Rente beziehen (ca. 260 EUR im Monat), sondern um Jahre später. Unsere Projektpartner/innen sehen darin eine bewusste Strategie, die Kleinbauernfamilien Stück für Stück vom Land zu vertreiben, um Bergbaufirmen und Plantagenwirtschaft Platz zu machen. In der Region befindet sich die größte bewässerte Zuckerrohrplantage Lateinamerikas, 20.000 ha nur Zuckerrohr, und das mit gratis Bewässerung, während die Kleinbauernfamilien daneben nicht einmal Trinkwasser haben.

Aber nirgendwo zeigt sich der Niedergang des Landes so deutlich wie im Bildungssystem: Die Schulen in der Region werden unter dem Stichwort „nucleação“ (dt. Kernbildung) zusammengelegt. Gab es im Jahr 2005 noch 62 Schulen am Land, sind es jetzt nur mehr 25. Die Kinder werden mit Klapperbussen in bis zu 30 km entfernte Orte gebracht. Die Fahrt dauert jedes Mal eine halbe Ewigkeit, denn es geht über unbefestigte Schotterpisten. Die Koordinatorin der Schulbehörde in Uaua klagt über eine hohe Drop-out-Rate. Kein Wunder, immer mehr Eltern schicken ihre Kinder ganz einfach nicht mehr in die Schule. Anreiz für den Schulbesuch war immer eine gesunde Mahlzeit für alle Schüler/innen. Aber die 35 Centavos (= 0,9 Cent) sind sogar für eine Jause zu wenig. Da die Gemeinden für die Schulerhaltung der Grundschulen zuständig sind, versuchen diese jetzt die Schulen zu privatisieren. Lehrer/innen werden nicht mehr fix angestellt sondern „sind über Leihfirmen nur im Bedarfsfall zu engagieren“. „Wo soll das enden, wenn unsere Kinder nicht einmal mehr die Chance haben, lesen und schreiben zu lernen? Wir stehen jetzt da, wo wir vor 20 Jahren waren,“ berichtet der Projektpartner.

In diesem Ton geht es die ganze Reise über weiter. Überall wo ich hinkomme, berichten die Menschen über die Demontage des Rechtsstaates im Eiltempo. Korruptionsskandale, Schmiergeldzahlungen, Steuerbefreiungen von einflussreichen Firmen und Politiker/innen sind längst Alltag. Auch Präsident Temer ist angezählt. Eduardo Cunha, der ehemalige Spitzenpolitiker und radikale evangelikale Radioprediger leitete vor einem Jahr noch das Impeachment-Verfahren gegen Dilma Rousseff. Mittlerweile sitzt er selbst im Gefängnis und behauptet, von Temer Schweigegeldzahlungen erhalten zu haben.

Brasilien, das Land der Zukunft, geht ungewissen Tagen entgegen. Jetzt gerade können wir unsere Partnerorganisationen nur dabei unterstützen, weiterzumachen, den Mut und die Hoffnung auf bessere und gerechtere Tage nicht zu verlieren und die Demokratie und ihre verfassungsmäßig abgesicherten Rechte vehement zu verteidigen. Und das ist eine schwere und immer öfter auch äußerst (lebens)gefährliche Aufgabe.

Brasilien – der große Sprung zurück

Nachschauen, woher das Lötzinn kommt

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Unser Anwaltschaftskoordinator Herbert Wasserbauer war in Bolivien, um zu recherchieren, woher die Rohstoffe der Digitalisierung kommen. Er koordiniert das gleichnamige Projekt, das gemeinsam mit Südwind, GLOBAL 2000, NeSoVe und Finance & Trade Watch durchgeführt wird.

Um sechs Uhr morgens starten wir los, um das Bergbaustädtchen Huanuni, die „Zinnhauptstadt Boliviens“  zu besuchen, wo seit der Zeit des berüchtigten Zinn-Barons Simón Patiño, vor über 100 Jahren, das weiche Schwermetall abgebaut wird. Auf dem Weg wird mir erzählt, dass vielen Millionen Steuergeld in die verstaatliche Mine geht, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Zu billig ist der „Bodenschatz“ auf den Weltmärkten.

Als die Morgensonne langsam das Tal auszuleuchten beginnt, machen wir Halt an der Sección Relaves: Kleine Rückhaltbecken stauen das rostbraune Flusswasser auf. Zwischen allerhand Gerümpel schaufeln Männer Zinnerz-haltigen Schlamm auf Holzrutschen, geben noch ein Portion Chemie-Kerosin-Cocktail darauf und lassen das Wasser drüber fließen. In einer Grube wird alles aufgefangen. Das Mineral sondert sich vom Schlamm ab. Wenn man den Vorgang dreimal wiederholt, erhält man reineres Mineral, als im Verarbeitungsbetrieb.

Nach einem kurzen Frühstück geht’s zur Werksbesichtigung. Überall in der Stadt sind mineros mit ihren dunkelbraunen Helmen unterwegs. Doña Claudia ist für die Werkssicherheit zuständig und führt uns herum. Demonstrativ erinnert sie ihre Kolleg/innen an das Tragen des Helmes. Über einen uralten Schrägaufzug mit Seilantrieb gelangen wir gemeinsam mit einigen Minenarbeitern zum Stolleneingang. Einige Kumpels warten auf die Einfahrt an ihren Arbeitsplatz bis zu 340 Meter unter Tage. In Plastiksäcken haben sie Coca-Blätter dabei und auch ihre ausgebeulten Wangen zeugen davon. Seit den ausbeuterischen Kolonialzeiten hat das Kauen von Coca die auszehrenden Arbeiten im Berg etwas erträglicher gemacht. Bis zu 35° hat es in den untersten Ebenen. Wenn man im Winter bei minus 15° verschwitzt und erschöpft an die Oberfläche kommt, wird man leicht krank.

Neben der Rampe, die seit einigen Jahren auch die Zufahrt von LKWs bis tief unter die Erde ermöglicht, beginnt die Führung durch das Innere der Mine. In verschiedenen Arbeitsschritten wird das Erz maschinell zerkleinert, zermahlen und das Mineral auf Sieb- und Rüttelplatten vom tauben Gestein abgesondert. „Alles mehr als 80 Jahre alt“, erklärt Claudia. Sie zeigt uns, dass sie Sperrtafeln auf die Bedienschränke der großen Maschinen hängt, wenn diese gewartet werden. Im letzten Jahr sind zwei Arbeiter zu Tode gekommen, als sie eine Gesteinsmühle von innen reparierten und diese unwissend in Betrieb genommen wurden. Neben den Becken, in denen die Schwefelanteile chemisch abgetrennt werden, wohnt der Tio: eine geschmückte Figur aus reinem Mineral, die eine Art „guten Teufel“ darstellt. Vor allem im Karneval teilen die Kumpel Bier, Zigaretten uä. mit, damit er sie mit dem nötigen Glück versorgt.

Wieder einmal geht’s an einem rauschenden Wasserkanal vorbei, der zu einem Sammelbecken führt. Doña Claudia erklärt, dass das Wasser hier im Kreislauf verwendet wird. Nur wenn es zu stark verschmutzt ist, sei es notwendig, es zu wechseln. Dann wird das belastete Wasser einfach in den Fluss abgelassen, bestätigt sie auf Nachfrage. An einem ratternden Stutzen füllt ein Arbeiter das getrocknete pulverförmige Mineral in eine Scheibtruhe. Unter Aufsicht von zwei Soldaten wird es schließlich auf einen LKW geladen. Die Werkstour endet.

Gemeinsam mit den Kolleg/innen von DKA-Partnerorganisation Centro de Apoyo a la Educación Popular fahren wir noch das neue Werk besuchen, von der man sich deutlich höhere Effizienz und geringere Umweltauswirkungen erwartet. Seit beinahe zwei Jahren ist die mit chinesischer Ingenieurskunst bestückte Halle einsatzbereit. Da aber der notwendige Rückhaltedamm noch nicht fertig ist und außerdem das nötige Wasser zum Betrieb noch nicht gesichert ist, konnte es bisher nicht in Betrieb gehen. Vorübergehend hat man einen Hilfsdamm oberhalb der Stadt errichtet. Bei den letzten starken Regenfällen ist aber ein Teil abgerutscht und es gibt viele Risse. „Wenn der wirklich mit Wasser gefüllt wird, haben wir es mit einer Zeitbombe zu tun“, erklärt man mir besorgt.

Wir kommen auf die soziale Situation in der Stadt zu sprechen. „Weil die Bergleute bei jedem Schichtbeginn damit rechnen, nicht mehr heil aus dem Berg zu kommen, leben sie sehr im Heute“, erklären mir die NGO-Mitarbeiter/innen. Mülltrennen oder stabile Beziehungen zu Frauen stehen da nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste. Das merkt man auch in der Stadt. Wir gehen noch zum Denkmal, das an den Aufenthalt des Revolutionsführers Che Guevara mit den Bergarbeitern Huanunis erinnert.
Mit einem beklemmenden Gefühl verlasse ich den Ort, aus dem möglichweise das Material für die Lötstellen in meinem Laptop, auf dem ich diese Zeilen schreibe, kommt…

 

 

Nachschauen, woher das Lötzinn kommt