Zurück in Nicaragua

 

Im November 2017 tourten Mitarbeiter/innen aus den Sternsinger-Beispielprojekten FUNARTE und CECIM durch Österreich um zu erzählen wie mit den Sternsinger-Spenden in ihrer Heimat Nicaragua geholfen wird. Im Februar durfte ich sie im Rahmen meiner Projektreise wiedersehen.

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Ein Update zur Situation in Nicaragua von Clemens Koblbauer  (Foto: Furxer)

Imer NiImer, Maybeling, Rafael, Maria, Aracely, Anielka und Carlos sind seit Anfang Dezember letzten Jahres wieder zurück in Nicaragua. In der Zwischenzeit ist bei uns und bei ihnen viel passiert.

In Österreich waren wieder zahlreiche Kinder in den Pfarren singend unterwegs, um Spendengelder zu sammeln. Was hat unsere Gäste in ihrer Heimat erwartet? Natürlich haben sich alle auf ihre Familien, Freunde, das gewohnte Umfeld und das Lieblingsessen gefreut. Außerdem hatten sie viele Erfahrungen im Gepäck, die es natürlich zu teilen galt. Besonders beeindruckt hat sie das große Interesse und die Begeisterung der Sternsinger/innen und der vielen Menschen aus den Pfarren, die sie treffen durften, Neues aus Nicaragua von ihnen zu erfahren. Durch die vielen Begegnungen in Österreich spürten sie auch die tragende Kraft gelebter Solidarität und zeigten ihnen, wieviel Engagement und Ehrenamt nötig ist, damit wertvolle Arbeit wie in den Modellprojekten von CECIM und FUNARTE und von vielen anderen Organisationen unterstützt werden kann.

Imer Oswaldo Gutiemez Araúz
Imer’s Frisörladen war während seines Besuchs in Österreich ausgeraubt worden.

Zu Hause ankommen war aber nicht nur mit Freude verbunden. Imer’s kleiner Frisörladen war in seiner Abwesenheit ausgeraubt worden. Mittlerweile konnte der Verlust durch direkte Spenden von Menschen, die bei seinem Besuch in Österreich zu Freunden geworden sind, ersetzt werden. Das Wetter spielt leider auch immer mehr verrückt – Regen im Februar. Das gab es bisher nicht. Der Klimawandel ist im Alltag spürbar. Regen oder Trockenheit sind nicht mehr vorhersehbar. Für viele Bauern und Bäuer/innen wird die Aussaat zur Lotterie und damit zur Überlebensfrage.

Auch sind in den letzten Monaten viele Menschen in Nicaragua Opfer von Verbrechen geworden. Die Gewalt an Frauen und Kinder beschäftigen die Gesellschaft und auch besonders unsere Partnerorganisation FUNARTE. In ihrem Umfeld kommt es immer häufiger zu grausamen Gewaltverbrechen. Eine Mutter von zwei Kindern, die bei den Workshops von FUNARTE teilnehmen, ist vom Vater der Kinder ermordet worden. Sie haben mir auch berichtet, dass zwei Kinder aus ländlichen Gemeinden des Departements Estelí entführt und ermordet wurden. Die Zivilgesellschaft in Nicaragua hält Mahnwache gegen die hohe Gewalt an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft und fordert endlich ein Ende der Straflosigkeit. Trägt doch das Versagen der verantwortlichen Behörden, wie Polizei und Gerichte, maßgeblich zur Eskalation bei.

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Eine solide Ausbildung schafft Chancen für die persönliche und berufliche Entwicklung.

Die aktuellen Beispiele zeigen mehr denn je, wie wichtig die Arbeit unserer Partnerorganisationen für die Menschen vor Ort ist. Bei den Projekten mit Jugendlichen steht die Bildungsarbeit im Fokus. Sie gibt den Kids viele neue Möglichkeiten für ihre persönliche und berufliche Entwicklung. Die Stärkung der Persönlichkeit leistet einen wertvollen Beitrag zu einer Gewaltprävention auf individueller und letztlich auf gesellschaftlicher Ebene. Die großen Umweltprobleme, wie Entwaldung, Wassermangel, Artensterben und Klimawandel sind ebenfalls Ausdruck unseres gewaltvollen Handelns gegen natürlichen Ressourcen – nicht nur in Nicaragua, sondern auch bei uns in Österreich und auf der ganzen Welt. Sternsingen ist ein erster Schritt, dass wir gemeinsam eine bessere Welt für alle schaffen können. Wir müssen aber noch weitere gemeinsam Schritte machen und dafür brauchen wir euch alle.

clemens.koblbauer@dka.at, Projektreferent für Nicaragua

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