Recht auf Nahrung ̵ genug zu essen für alle

Überall auf der Welt feiern Christ/innen in diesen Tagen Erntedank. Wir sagen Dank für die Früchte, das Gemüse und das Getreide. Es erinnert aber auch daran, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir genug zu essen auf unseren Tellern haben.

Jeden Tag kämpfen Millionen Frauen und Männer weltweit darum, dass ihre Kinder genug zu essen haben. Obwohl weltweit genug Lebensmittel produziert werden, sind Hunger und Unterernährung für Milliarden von Menschen trauriger Alltag. „Die heutige Landwirtschaft könnte problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren – also fast das doppelte der aktuellen Weltbevölkerung.“ empört sich Jean Ziegler, einer der bekanntesten Globalisierungskritiker. Es ist also keine Frage von Produktionssteigerung, wenn jeden Tag Millionen Frauen und Männer weltweit darum kämpfen müssen, dass sie für ihre Kinder genug zu essen auf den Tisch bekommen. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, der Verteilung und der Art und Weise, wie Lebensmittel produziert werden. Ein Immer-Mehr an Massenproduktion in „Agrarfabriken“ vertreibt weltweit Kleinbäuer/innen von ihrem Land.

Auch hier sind es die Kinder, die am meisten darunter leiden. Sie sind es auch, denen die Zukunft gestohlen wird, wenn ihre Eltern Äcker und Fischgründe verlieren.

Zum Beispiel in Mindanao, der zweitgrößten Insel der Philippinen. Über die Hälfte der 26 Millionen Einwohner/innen lebt in Armut. Viele leiden an Hunger. Warum? Auf 80 Prozent des fruchtbaren Landes bauen Konzerne in riesigen Monokulturen Ananas, Bananen oder Ölpalmen für den Export an. Die Bevölkerung hat nichts davon.

Kleinbäuer/innen sei Dank

Industrielle Landwirtschaft frisst Ressourcen und macht Menschen abhängig – von Saatgutfirmen, Krediten, Supermärkten. Eine gute Ernährung für alle braucht nicht mehr Lebensmittel, sondern Vielfalt vom Acker bis zum Teller. Vielfalt schützt vor Mangelernährung und Ernteausfällen. Kleinbäuer/innen sind das Rückgrat des Welternährungssystems. Sie erzeugen fast 70 Prozent aller Nahrungsmittel. Die Welt braucht Kleinbäuerinnen und -bauern für eine stabile und ausgewogene Ernährung. Hunger ist nur vor Ort zu überwinden. Fast Dreiviertel aller Hungernden leben auf dem Lande. Als Klein- und Subsistenzlandwirt/innen, Hirt/innen, Fischer/innen, Landarbeiter/innen und Landlose sind sie direkt von der lokalen Landnutzung abhängig, können sich davon aber häufig nicht ausreichend und sicher ernähren. Der Zugang der Armen auf dem Lande zu Boden, Wasser und Produktionsmitteln, zu Know-How und Wissen sowie zu sozialer Mindestabsicherung in Notsituationen – etwa nach Naturkatastrophen wie zurzeit auf den Philippinen – ist der entscheidende Faktor dafür, ob das Menschenrecht auf ausreichende und gesunde Ernährung umgesetzt wird oder nicht. Und hier kommen wir als Hilfswerk ins Spiel.

Lokales Wissen statt Hybridsaatgut

Die Dreikönigsaktion, Hilfswerk der Katholischen Jungschar, unterstützt nachhaltige Landwirtschaft und einkommensschaffende Initiativen. Mit unseren Partnerorganisationen organisieren wir Ausbildungen zu agrarökologischen Anbaumethoden. Diese bieten Unabhängigkeit von großen Agrarkonzernen. Ebenso können die Bäuerinnen und Bauern damit besser auf den Klimawandel reagieren – bodenschonend und ertragreich.

Geonathan Barro, Projektleiter von Agro-Eco, einer philippinischen Partnerorganisation, bringt es auf den Punkt: „Biologischer Landbau ist für Mensch und Umwelt besser. Außerdem verschulden sich die Bauern nicht für Hybridsaatgut, Kunstdünger und Pestizide. Wegen solcher Schulden haben schon viele ihr Land verkaufen müssen. Im Zentrum steht die Eigenversorgung. Der Überschuss wird direkt und ohne Zwischenhandel verkauft, damit den Bauernfamilien mehr zum Leben bleibt.“

Agrarökologie bietet hier für viele Bäuerinnen und Bauern eine attraktive Alternative. Sie beruht darauf, die Bedürfnisse der Kleinbauernfamilie ins Zentrum zu stellen, eine ausgewogene Ernährung zu produzieren und dabei die Umwelt und den Boden langfristig zu erhalten. Ein Grundsatz ist, unterschiedliche Kulturen so zu kombinieren, dass sie sich gegenseitig vor Schädlingen schützen und mit Nährstoffen versorgen. Dem Ackergrund wird in Form von Kompost, Mulch oder Mist möglichst viel organisches Material zugeführt, damit er lebendig bleibt, damit sich neuer nährstoffreicher Humus bildet. So bereiten die Biobäuer/innen auf den Philippinen den Boden für das nächste Erntdankfest.

Mehr zum Themenschwerpunkt „Recht auf Nahrung“ der Dreikönigsaktion

christian.herret@dka.at

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