Spaß mit Handelsabkommen?

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„It is fun!“, meint Effrey Dademo mit einem Zwinkern über ihre Arbeit. Die Rechtsanwälting leitet Act Now!, die wahrscheinlich wichtigste Kampagnenorganisationen für Menschenrechte in Papua Neuguinea. Nach unserem Stopp in Bougainville treffen wir Effrey in Goroka im Hochland. Was sie gemeinsam mit ihren vier Kolleginnen bewegt, lässt einen nicht unbeeindruckt. Die Geschichten die sie erzählt gleichen Krimis (© Kollege Philipp Bück).

Zum Beispiel „land grabbing“ in PNG. Fast die gesamte Landfläche ist in Besitz der Bevölkerung, verwaltet über traditionelle Clanstrukturen. Bisher funktionierte dieses System für das Land gut. Bisher… Vor einigen Jahren wurden von der Regierung sogenannte „Special Agricultural and Business Leases“ (SABL) begeben um großflächige Nahrungsmittelproduktion und anderweitige Ausbeutung zu ermöglichen. Dies betrifft ca. 10 % des gesamten Landes!
Es handelt sich vor allem um küstennahe Waldgebiete. Einige werden gerade von ausländischen Unternehmen abgeholzt. Jenen denen das Land gehört(e) sind dazu kaum informiert oder konsultiert worden.

Act Now! wurde – nach viel Lobbying – gebeten den Referenzrahmen für die parlamentarische Untersuchungskommission zu diesem Thema zu verfassen. Mit engagierter Informations- und Kampagnenarbeit (Multiplikatoren/innen-Schulungen, E-Mail-Verteiler mit 40.000 Abonnenten/innen, …) konnte Act Now! den Premierminister dazu bewegen, öffentlich die SABLs in Frage zu stellen. Die weitere Vergabe von Leases konnte gestoppt werden.
Das geschah in den letzten drei Jahren.

Die SABLs dürften Teile von vertraulichen Handelsabkommen unter dem Motto „aid for trade“ mit regionalen Mächten sein (es gilt die Unschuldsvermutung). Nicht nur deshalb dürfte die Administration am Rad drehen und möchte nun die SABLs in registrierten Landbesitz umwandeln. Damit würde der traditionelle Landbesitz aufhören zu existieren, die Unternehmen wären rechtmäßige Eigentümerinnen.
Act Now! kämpft weiter dagegen an und versucht nun die großen Medienhäuser zu einer gesellschaftlichen Debatte darüber zu bewegen (nächstes Jahr stehen Wahlen an) – mit einer guten Mischung aus Optimismus, Freude und Realismus.

Auch wenn die Gegenspieler übermächtig und die Vorhaben damit äußerst schwierig erscheinen, erfüllt es einen mit Stolz mit Effrey an einem Strang ziehen zu können. Es gibt kaum andere Organisationen im Land die auf so einem Niveau so effektiv sind. Dieses Engagement setzt auf einer ganz anderen Ebene wie jener der ehrenamtlichen Früherzieherinnen in Bougainville Zeichen für eine gerechtere Welt!

 

Jakob Wieser

jakob.wieser[at]dka.at

Foto: (c) Act Now!

Wenig bringt viel: Frühkinderziehung in Bougainville

Spaß mit Handelsabkommen?

Wenig bringt viel: Frühkinderziehung in Bougainville

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Wie wenig Geld für Entwicklung manchmal benötigt wird, zeigt sich in der Diözese Bougainville am Beispiel der wachsenden Bewegung zur Frühkinderziehung: Mit Hilfe der Sternsingergelder wurden vor zwei Jahren drei einwöchige Trainings abgehalten. Es gab weit über 100 Teilnehmer/innen – vor allem Frauen. Nun, so berichten die Verantwortlichen für Bildung im Diözesanbüro, sind in der ganzen Diözese 400 „Early Childhood Centers“ zu finden. Man hatte offenbar einen Nerv getroffen.

Die Diözese Bougainville liegt im Osten von Papua Neuguinea. Ich begleite unseren Länderreferenten, Philipp Bück, dieser Tage hier im Pazifikstaat um jene Initiativen und Organisationen kennenzulernen, die wir durch die Gelder aus den Sternsingerkassen unterstützen. Die Provinz Bougainville besteht aus zwei großen und einigen kleineren Inseln. Hier leben ca. 250.000 Menschen.
Das Bildungssystem im ganzen Land hat mit schlechter Lehrermotivation, schwache Kontrollinstanzen – auch aufgrund der geographischen Herausforderungen – und regelmäßigen Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Kindergärten oder ähnliches gab es bisher nicht. Die Regierung arbeitet an einer Richtlinie.

Wir besuchen den Ort Malasang ein paar Kilometer außerhalb der Hauptstadt Buka. Hortence Kirowa, die Gründerin und Leiterin des dortigen Early Childhood Center, führt uns herum. Stolz berichtet Frau Kirowa über die Erfolge des Kindergartens seit Eröffnung im August 2014: Mittlerweile gibt es drei Klassen für 3- bis 5jährige mit je einer ehrenamtlich tätigen Lehrerin, 30 Schüler/innen besuchen den Unterricht regelmäßig – dieser wird aufbauend auf dem diözesanen Curriculum gestaltet.

Die Kinder können einfache Sätze in Englisch lesen, sodass sich manche Eltern fragen, ob die erste Stufe der Grundschule („elementary“, ab 6 Jahren) überhaupt besucht werden muss oder ob die Kinder nicht gleich in die nächste Stufe einsteigen sollten („primary“, ab ca. 10 Jahren).
Die Eltern beteiligen sich am Schulmanagement über ein Leitungsgremium und schätzen es, dass die Kinder einen Ort haben an dem sie am Vormittag gerne hingehen. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf ca. 2 Euro pro Kind.
Alle drei Klassenräume, regensichere Holzbauten, wurden durch das Engagement von Frau Kirowa und einigen anderen engagierten Gemeindemitgliedern errichtet.

IMG_9739a.jpgDie Räume sind voll mit Zeichnungen der Kinder und selbst gezeichneten Lernbildern vom Alphabet, über die 10 Gebote, hin zu Zahlen und Tieren.

 

 

Dieses Early Childhood Center gehört sicherlich zu den Vorzeigeschulen unter den 400 selbst organisierten Einrichtungen in der Provinz Bougainville. Es zeigt sich wie sehr die richtige Unterstützung vieles bewirken kann. Die Diözese ist nun gefordert das enorme ehrenamtliche Engagement im gesamten Gebiet zu fördern. Wir warten noch, ob sie dazu Unterstützung von der Dreikönigsaktion beantragen.

Jakob Wieser
jakob.wieser[at]dka.at

 

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Das selbstorganisierte Early Childhood Center in Malasang, von Bäumen umgeben. Die Kinder werden am Ende des Schultages gerade abgeholt.

 

 

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Wenig bringt viel: Frühkinderziehung in Bougainville