Apikay wird geräumt

6.7.2016 – Matto Grosso do Sul; Die letzte Woche war es ruhig. Damiana hat Hoffnung geschöpft, dass die Intervention der Bischofskonferenz, die vielen Proteste im Land, aber auch die vielen Solidaritätsbezeugungen aus Europa die Polizei davon abhalten wird ihr Haus zu zerstören und sie von ihrem Grund zu vertreiben. Aber heute im Morgengrauen war es soweit. Damiana muss gehen. Im Moment scheint es, als hätte sie den Kampf verloren. Unsere Projektpartnerin Rosa Colman ist bei ihr und steht Damiana und ihren Angehörigen in dieser schweren Stunde bei.

Guarani-Kaiowa – der Kampf eskaliert!

Solidarität mit Damiana wächst

Solidaritäts-Mahnwache in Apykaí

Damiana: Das Zittern geht weiter

Wir wissen wo wir hingehören“

Apikay wird geräumt

Damiana: Das Zittern geht weiter

 

„Lasst Apykaí leben!“ steht auf dem Banner, mit dem die Besucher/innen Damiana und ihrer Guarani-Kaiowa-Gruppe Mut zusprechen. Sie haben vor, auch über Nacht zu bleiben, um die indigene Gemeinschaft zu unterstützen und um den Ernstfall einer gewaltsamen Räumung zu verhindern. Viele sind es nicht, die in Mato Grosso do Sul den Mut haben, ihre Solidarität mit den Indigenen zu zeigen, denn Ablehnung und Rassismus gegen die Guarani sind in der Region allgegenwärtig. Hier ist hauptsächlich Platz für die Monokulturen des Agrobuisness‘.

Unterstützung erhielt Apykaí gestern auch von über 80 Organisationen, sozialen Bewegungen, indigenen Vereinigungen und der katholischen Kirche. Sie alle unterzeichneten einen Solidaritätsbrief.

Heute um 10 Uhr brasilianischer Zeit (16.00 in Wien) gibt es eine öffentliche Vorlesung, eine Art Protest-Schulstunde zur Geschichte der Apykai an einem ungewöhnlichen Ort: die Bundesstraße vor der Siedlung von Damiana, jener Straße, an der ihre Angehörigen den Tod fanden.

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Damiana: Das Zittern geht weiter

Wir wissen wo wir hingehören“

Damiana zwischen den Gräbern
Damiana zwischen den Gräbern ihrer getöteten Angehörigen. Foto: Thomas Bauer

 

Nachdem sich die Landesregierung des Bundesstaates Mato Grosso do Sul geweigert hat, die Militärpolizei zur Räumung der 9 Guarani Kaiowá Familien im Tekoha Apyka´i einzusetzen, hat der Bundesrichter Fábio Kaiut Nunes den Justizminister Alexandre de Moraes um die Entsendung des Heeres ersucht.

Damiana Cavanha, Schamanin und politische Führerin der kleinen indigenen Gruppe, wehrt sich seit Jahren mit all ihrer Kraft gegen den übermächtigen Großgrundbesitzer der Usina São Fernando. Die Usina  gehört zur Bertin Gruppe und ist eine der größten amerikanischen Produzenten und Exporteure landwirtschaftlicher Produkte sowie Produkte tierischer Herkunft. Die Berton Gruppe ist Teil der Bumlai Gruppe (Eigentümer ist José Carlos Bumlai), die sich auf Rinderzucht sowie die Zuckerrohrproduktion spezialisiert hat. Schon 2010 lief sie Gefahr die Produktionslizenz zu verlieren, da weder Arbeits- noch Umweltrechte eingehalten wurden. Bumlai wurde 2015 im Zuge der Operação Lava Jato (auf deutsch etwa Autowäsche oder Operation Hochdruckreiniger zur Aufklärung von Korruption, in die Bauunternehmen, Politiker und mehrere politische Parteien sowie der Erdölkonzern Petrobras involviert sind) verhaftet.

Am 8.6. wurde Damiana der Räumungsbescheid zugestellt. Innerhalb von fünf Tagen muss sie mit ihrer Gruppe, den kleinen Streifen eingepfercht zwischen Hauptstraße BR 463 und Zuckerrohrfeld räumen. „Ich werde nichts unterschreiben. Ihr könnt ein Loch machen und uns alle eingraben, denn wir werden nicht weggehen!“ so Damiana  bei der Übergabe des Räumungsbescheids. Die Räumung wird zwischen 13. und 15. Juni erwartet. (Information: www.cimi.org.br)

Die Situation ist dramatisch. Die Gruppe reduziert, geschwächt. Sie leben unter Plastikplanen, holen Wasser im verseuchten Fluss.  Immer wieder gibt es Bedrohungen, 2x Brandanschläge und mittlerweile 8 tote Indigene, darunter drei Kinder Damianas und ein Enkel, die von den Bediensteten der Usina (Zuckermühle) vorsätzlich überfahren wurden.

Damiana kämpft um ihr traditionelles Land und um das Recht auf dem Land ihrer Vorfahren mit ihrer Großfamilie leben zu können.

Damiana im Interview  in der CIMI Zeitschrift Porantim im Mai 2016  http://www.cimi.org.br/site/pt-br/?system=news&conteudo_id=8744&action=read

Petition unterschreiben unter http://www.survivalinternational.de/emails/guarani-land

 

 

 

Wir wissen wo wir hingehören“